Schweden

Familienferien in Schweden

Lieblingsreiseweise

Nach Schweden sind wir auf unsere Lieblingsreiseweise gereist: Mit dem Zug. Und zwar erst mal von Basel bis Hamburg mit dem Nachtzug, den es glücklicherweise (und dank der ÖBB) immer noch gibt. Neu sogar mit Familienabteil im Liegewagen, so dass wir ganz für uns waren. Für die Kinder ist diese erste Etappe der Reise bereits das erste grosse Abenteuer. Statt sich Abends ins Bett zu legen, aufgeregt vor dem bevorstehenden Reisetag, steigen wir einfach in den Zug und bringen im Schlaf die ersten 815km hinter uns. Naja, das mit dem Schlaf ist natürlich nicht immer so ganz einfach. Aber die Kinder haben sehr viel und wir immerhin immer wieder ein bisschen geschlafen. Und als die Kleine um 6.00 aus dem Bett gesprungen ist und vor Freude über den Zug und die Reise gar nicht mehr aufhören konnte zu plappern, hat sie mich tatsächlich aus einem Traum gerissen...

Auf der nächsten Etappe von Hamburg nach Nykoebing in Dänemark wartete schon das nächste Abenteuer auf uns: der Zug fährt auf eine Fähre und dann heisst es "Alle passagerer skal derfor forlade toget under overfarten og ga til færgens øvre dæck“- wir müssen den Zug verlassen und uns auf die oberen Decks des Schiffes begeben. Mit Vergnügen! Nach der 45minütigen Überfahrt müssen wir noch zweimal umsteigen, in Nykoebing und in Kopenhagen, dann sind wir nach 18 Stunden endlich in Malmö, Schweden.

Malmö

In Malmö beziehen wir für zwei Nächte ein Zimmer in einer Jugendherberge. Die Jugis in Schweden sind für Jung und Alt, kennen keine Massenschläge und sind für Familien mit Kindern bestens geeignet.

Am ersten Abend versuchen wir in der Nähe eine Portion Pommesfrites aufzutreiben, was sich als sehr schwierig erweist. Die Lokale sind alle sehr öko,  trendy und chic und irgendwie trauen wir uns mit den Kindern nirgends rein. Schlussendlich entscheiden wir uns für ein Pup, das Burger und Pommes serviert. Doch die Kleine will plötzlich Suppe und die Mama hat keine Lust auf Burger... Auf der Karte steht nur eine Fisch-Weissweinschaum-Suppe, das Geschrei ist gross, die Nerven liegen blank. Schliesslich verlassen Mama und (schreiendes) Kind das Pup wieder, kaufen sich ein Päckli NoodleSoup im Supermarkt und kochen diese in der Jugiküche. Noch nie hat sich jemand so sehr über eine (Päckli-)Suppe gefreut!

Malmö ist schön, sehr modern und trotzdem grün. Es gibt viele schöne Grünflächen, gemütliche Sitzgelegenheiten und jede Menge öffentliche Toiletten (äusserst praktisch für Schwangere und frisch trockene Mädchen). Und Malmö ist so hip. Wahrscheinlich kommen da die ganzen Hipster her...


Småland

Loaklev, Vetlanda

Mit dem Mietauto geht es am dritten Tag nach Småland, wo wir eine Woche lang in einem Ferienhäuschen wohnen. 

Småland ist Schweden wie im Bilderbuch - oder die Bilderbücher sind wie Småland. Überall sieht es aus wie auf Bullerbü, in Lönneberga oder in der Krachmacherstrasse. Moosige Wälder voller Zwergenhäuschen, Trollfelsen und Elfen, unzählige Seen dazwischen und nicht zuletzt die Herzlichkeit der Menschen machen die Idylle perfekt.

Nur 500m von unserem Häuschen entfernt liegt "unser" See, wo wir eine eigene Feuerstelle und natürlich ein eigenes Ruderböötli haben. Unsere Nachbarn haben einen kleinen Hof mit Schafen, Hühnern, Enten, Kaninchen, Hund und Katze (echli wie dehei). Dazu einen riesigen Gemüsegarten und ein kleines Hoflädeli mit Honig, Gonfi, Most, Schafwolle und -Fellen und natürlich "Loppis" - ein kleiner Flohmarkt. Überall in Schweden sieht man die Schilder "Loppis",  kleine Brockis, Garagenflohmärkte oder auch nur eine Kiste mit Gebrauchtem und Trödel. Eine tolle Tradition!

Was man auch an jeder Ecke findet und vorallem die Kinder eine tolle Tradition finden sind die "Godis" - Süssigkeiten. In fast jedem Laden gibt es eine Süssigkeitenwand, wo aus unzähligen Sorten offene Godis in Säckli gepackt werden können. Bezahlt wird nach Gewicht. In einem normalgrossen Supermarkt haben wir mal die Süssigkeitensorten gezählt und sind auf 95 verschiedene Lakrize-, Schokolade-, Gummi- und Bonbonsorten gekommen.

Ronja, Michel und Pippi

Astrid Lindgrens Värld

Möglichkeiten für kindergerechte Ausflüge gibt es in Småland unzählige. Und dabei wäre man am liebsten selber wieder Kind. So zum Beispiel in der Astrid Lindgren Welt in Vimmerby: einem riesengrossen Vergnügungspark, wo die Geschichten von Lindgren erlebt werden können. Erst waren wir etwas skeptisch: riesiger Parkplatz, Souvenierstände und horrende Eintrittspreise. Aber ist man erst im Park drin, verteilen sich die Besuchermassen rasch und man kann richtig in Astrid Lindgrens Welt eintauchen: Bullerbü, die Krachmacherstrasse oder das Städtchen Vimmerby in Kindergrösse, die Villa Kunterbunt (inkl. See, Hafen und das Schiff  Hoppetosse), Karlsons Dach (mit Riesenrutschbahnen) oder ein uuuh langer Nicht-den-Boden-berühr-Parcour aus Baumstämmen, Steinen, Seilen und Gartentoren laden zum Spielen und Entdecken ein. Und natürlich haben wir Katthult in Lönneberga besucht. Dort wohnt Michel, der in Schweden Emil heisst, und in einem lustigen Theaterstück können wir live dabei sein, wenn er sich die Suppenschüssel über den Kopf stülpt und Ida am Fahnenmasten hochzieht. Favorit vom Grossen war mit Abstand die Mattisburg von Ronja Räubertochter. Man kann sich die ganze Burg anschauen und begegnet immer wieder einem wilden Räuber, zum Beispiel auf dem Tisch tanzend...

Im Wald entdecken wir am Wegrand ein kleines Zwergenhaus, vor der Bäckerei steht ein altes Fahrrad, im Hafen hängen Seekarten und Taue - der Park ist voller liebevoller Details. Alles ist sehr schön und naturnah gestaltet und nie kitschig.

Die Spielplätze im Park sind abenteuerlich und was auffallend ist: im ganzen Park ist nichts verboten! Sicher ganz im Sinne von Astrid Lindgren.

Skuruhatt und Skurugata

Ein Glückstreffer und Geheimtipp ist der Besuch im Naturschutzgebiet Skurugata in der Nähe der malerischen Holzstadt Eksjö. Skurugata ist eine Schlucht aus Porphyrfelsen, vermutlich während der Eiszeit entstanden. Am Boden der Schlucht steigt die Temperatur auch im Sommer nicht über 10°C. Durch den Temperaturunterschied und die Luftfeuchtigkeit wachsen in der Schlucht eine Menge seltener Moose und Farne. Für die abenteuerliche Rundwanderung durch die Schlucht und auf den Skuruhatt, den wohl höchsten Punkt Smålands (337müM), brauchen wir etwa 1.5 Stunden. Danach sind die Kinder total erledigt, trotzdem hat sich der Ausflug sehr gelohnt.

Um die Schlucht ranken sich viele Märchen und Sagen von Zwergen, Trollen und Räuberbanden...

Målilla Älgpark

Zuoberst auf unserer Wunschliste stand eine Elchsichtung. "Der König der Wälder" ist riesengross und in Smålands Wäldern leben rund 30'000 Elche - doch sieht man die scheuen Tiere nur mit ganz viel Glück. Um dem Glück nachzuhelfen besuchen wir einen Elchpark ganz in der Nähe. Der kleine, familiär geführte Park in Målilla beherbergt drei Elchfamilien in drei grossen Gehegen. Wir sind zur Fütterungszeit dort, dann kommen die Elche aus dem Wald und wir dürfen sie mit Zweigen füttern. Eine Familie bekommen wir allerdings gar nicht zu Gesicht. Weil dann ihre Sinne eingeschränkt sind, mögen Elche anscheinend keine "Windigkeit", wie uns erklärt wird. In dem Elchpark gibt es ausserdem einen kleinen Streichelzoo mit Kaninchen, Hühnern und Zwergziegen.

Mit Kindern unterwegs

Wir alle lieben Familienferien und verbringen die Zeit gerne gemeinsam. Und wenn die Kinder in den Ferien zufrieden sind, ist es auch für die Eltern erholsam. Doch auch bei aller Liebe kann sich schon mal der Lagerkoller breit machen, wenn man rund um die Uhr alles zusammen macht. Die Kinder müssen in den Ferien viel Selbständigkeit und Freiheit einbüssen denn sie kennen sich nicht aus, verstehen die Sprache nicht und vorallem der Grosse fühlt sich an den neuen Orten in den ersten Tagen immer ziemlich unsicher. Das macht die Kinder zeitweise etwas unzufrieden und motzig (was irgendwann auch die Mama motzig macht).
Was in Malmö undenkbar war, ist bei unserem Ferienhaus endlich möglich: am zweiten Abend schicken wir die Beiden alleine raus in den Regen, sie sollen einen Spaziergang machen während wir kochen. Nach einer guten halben Stunde klingelt es an der Tür und draussen stehen zwei kleine Leute:
Frau Pfeffer und Herr König, gut verlüftet und total zufrieden mit dem Stück zurückgewonnen Selbständigkeit. Da wir gerade fertig gekocht haben (Köttbullar), laden wir das lustige Paar zum Essen ein. Der Besuch ist sehr freundlich und wohl erzogen :-). Es ist das lustigste Nachtessen in den ganzen Ferien und wir sind froh, konnten wir so einfach die Negativspirale aus motzen und schimpfen durchbrechen. Frau Pfeffer und Herr König bleiben sogar über Nacht, da sie "die königliche Kutsche erst morgen abholen kann". Soso.


Ystad

Die letzte Etappe unserer Reise führt uns nach Ystad an der Südküste. Die Unterkunft für die letzten drei Nächte übertrifft alle Erwartungen: im B&B Stationen, dem alten Bahnhof wohnen wir zwischen Bahngeleisen und Fährhafen. Ystad, bekannt durch die Wallander-Krimis, ist sehr malerisch. Wir beobachten Fähren, schnuppern Meerluft und erkunden die nähere Umgebung, die hier wieder eine ganz andere ist...

Ales Stenar

Sehr eindrücklich ist die Schiffssetzung Ales Stenar aus der Wikingerzeit in der Nähe von Ystad. Das Wetter hat die Stimmung oberhalb der Steilküste noch mystischer wirken lassen, als es die gigantischen Steine ohnehin schon tun.

Hey då Sverige!

Wir werden sicher bald wieder nordwärts reisen...


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Gipsy (Donnerstag, 03 August 2017 17:35)

    Hoi meine Lieben, ihr heit mir jo scho viel vo euchne tolle Ferie verzellt gha. Es het mi sehr gfreut jetzt no es paar Föteli chöne z'gseh! Wunderbar!