Heute blogt der Mann

Metzgete

Auch uns ist passiert, was den meisten Tierhaltern mindestens einmal widerfährt. Wir haben zu viele Hühner! Wie das? Wir lassen unsere tolle Glucke jedes Jahr Eier ausbrüten. Aus den bebrüteten Eiern schlüpfen zu gefühlten 90% Güggel. Wie das in der Natur aufgehen soll, weiss der Geier! Bei uns wurden dieses Jahr jedenfalls drei Güggel und ein Huhn ausgebrütet. Die männlichen Tiere fressen wie die Scheunendrescher, legen keine Eier und veranstalten darüber hinaus aggressive Hahnenkämpfe. Es macht also schlicht keinen Sinn, alle zu behalten. Nun gibt es mehrere Methoden, sich der überzähligen Güggeln zu entledigen. Die humanste ist wohl, die Tiere übers Internet zu verschenken, was wir auch schon gemacht haben. Ich bin aber der Meinung, dass wir - oder zumindest ich - in der Lage sein müssen, Hühner selber zu metzgen. Wir essen schliesslich Fleisch. Unserem Konsumverhalten kann es nicht schaden, wenn wir selber den Schlacht-Prozess durchgemacht haben. Darüber hinaus halten wir Hühner und lassen diese brüten. So produzieren wir unsere Güggel ja selber und müssen auch die Verantwortung dafür tragen! Den Gedanken, unsere Hühner selber zu metzgen, trage ich schon seit einigen Jahren mit mir herum. Dieses Jahr habe ich mir ein Herz gefasst und es getan. Und es fühlt sich richtig an! Davon handelt dieser Artikel...

Learning by doing

Hühner metzgen, wie geht das eigentlich? Wie zu allen anderen Fragen auf der Welt ist die Antwort auf Youtube zu finden. Dutzende Tutorials später bin ich nur wenig schlauer. Die einzelnen Schritte kenne ich jetzt, auch ein paar Tipps wie dies und jenes Problem vermieden werden kann, habe ich aufgeschnappt. Die grössten Unsicherheiten bleiben beim Ausnehmen. Es müssen mehrere Schnitte gemacht werden und es heisst jeweils, man solle vorsichtig sein, da sonst Innereien verletzt werden können und das Fleisch verdirbt. Auf Anraten der Frau hole ich mir Hilfe. Eine Bekannte von uns hat das nötige Fachwissen und bereits Erfahrung im Hühner metzgen. Somit ist sie die ideale Instruktorin.

Das Thema ist nicht ganz leicht und eignet sich gut dazu, hinausgeschoben zu werden. Grundsätzlich traue ich mir das aber zu und das Thema interessiert mich mittlerweile sogar sehr. Einer der jungen Güggel hat bereits angefangen zu krähen, es ist also höchste Zeit um blutige Kämpfe im Hühnergehege zu vermeiden.

Dann geht alles ganz schnell

Bevor die Instruktorin ankommt, bereite ich alles vor. Ich habe eine ziemlich konkrete Vorstellung wie und wo das ganze ablaufen soll. Die Frau ergreift derweil mit den Kindern die Flucht. Hühner metzgen gehört für mich sozusagen zu der erweiterten Allgemeinbildung, aber die Kinder müssen dabei nicht unbedingt zusehen! Mir ist das recht, obwohl ich im Nachhinein denke, dass die Kinder vermutlich keinen Schaden davon getragen hätten. Aber es ist sicher besser, ungestört zu sein und nicht tausend Kinderfragen gestellt zu bekommen.

So können wir die Hühner in aller Ruhe aus dem Stall holen und konzentriert und ohne Stress töten. Eine halbe Stunde später hängen die Hühner bereits an den Füssen aufgehängt zum Ausbluten am Holzunterstand. Die Hühner müssen eine Weile abhängen, es bleibt uns Zeit, aufzuräumen und einen grossen Topf mit Wasser zu erwärmen.

 

 

Vom Federvieh zum Sonntagsbraten

Ausnehmen

Das Rupfen geht erstaunlich leicht. Nachdem die Hühner in fast siedendes Wasser getaucht wurden, lassen sich die Federn leicht herausziehen.

Dann gehts ans Ausnehmen. Das ist tatsächlich der komplizierteste Teil. Man muss weit in das Huhn hineingreifen und alle Innereien herausziehen. Die Hühner sind relativ klein, und die Eingeweide sind verflixt gut angemacht. Ich schaffe es dann doch, wenn auch mit Verrenkungen. Keine meiner Befürchtungen tritt ein, weder die Gedärme noch die Galle werden beschädigt.

Abgesehen von meinen Befürchtungen ist das Ausnehmen aber auch einer der spannendste Teile beim Metzgen. Die Eingeweide landen fast ausnahmslos im Abfall. Das wird den Organen irgendwie nicht gerecht, welche zu Lebzeiten wichtige Funktionen übernommen haben. Ich nehme mir vor, das nächste Mal etwas mehr Zeit für die Organe aufzuwenden und vielleicht auch etwas mehr davon zu verwenden.

Ab in die Küche

In der Küche werden nur noch wenige Handgriffe getan. Die Hühner werden kräftig mit kaltem Wasser ausgewaschen und die letzten feinen Federchen mit einem Feuerzeug abgeflammt. Dann können sie abgetrocknet und eingefroren oder frisch zubereitet werden.

Herz und Leber

Mein persönlicher Höhepunkt des Tages: Zum Mittagessen gibt es frische Lebern und Herzen der Hühner!

Rezept:

  • Alles in kleine Stücke schneiden, mit wenig Salz und Pfeffer würzen und heiss anbraten. Aus der Pflanne nehmen
  • in der gleichen Pfanne Zwiebeln andünsten
  • erst mit Weisswein dann mit Bouillon ablöschen und aufkochen lassen
  • Fleisch wieder dazugeben und alles zusammen kurz köcheln lassen

Es schmeckt ausgesprochen lecker! Die Frau isst davon, obwohl sie das erst ablehnt. Die Kinder probieren auch, wollen dann aber nicht mehr haben.

Zum Znacht essen wir frisches Poulet, das schmeckt allen sehr.


Fazit

Der Lackmustest war für mich das Zubereiten und Verspeisen der Herzen und Lebern. Während dem Kochen hatte ich Angst, dass ich das nicht essen können würde. Das Gegenteil war der Fall! Das Mittagessen und auch das Poulet zum Znacht haben mir ausgezeichnet geschmeckt. Und in der Nacht konnte ich ruhig schlafen ohne von toten Hühnern heimgesucht zu werden. Ich bin beruhigt und auch stolz!

Das Projekt ist gelungen. Ich habe das Gefühl, etwas ganz besonders bedeutsamen getan zu haben. Ich kann einen winzigen Teil meines Fleischkonsums durch eigenes Fleisch abdecken und muss nicht auf namens- und geschichtslose Vakuumpäckchen aus dem Grosshandel zurückgreifen. Ich kann jetzt mit ruhigem Gewissen fordern: Wenn man Fleisch isst, sollte man auch mindestens einmal selber ein Tier metzgen!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0