Hausgeburt

Geborgen gebären

Keine Angst vor der Hausgeburt

"Hast du keine Angst?" ist meistens die erste Frage, die auftaucht wenn man erwähnt, dass man eine Hausgeburt plant. Nein! Ich hatte nie Angst. Zugegeben, für die erste Geburt bin ich auch ins Spital gegangen, aber einfach weil das so naheliegend war und ich mir nicht viele Gedanken über das "wie" und "wo"gemacht habe. Die Spitalgeburt war schön, auf jeden Fall. Aber noch schöner war das Nachhausekommen nach der ambulanten Geburt, das Wochenbett in den eigenen vier Wänden, die Betreuung durch die Hebamme und das Zusammenwachsen als Familie in einer Seifenblase. Deshalb war während der zweiten Schwangerschaft ziemlich schnell klar, dass ich von Anfang an zuhause bleiben möchte. Eine selbstbestimmte Geburt in Geborgenheit. Das hat mir keine Angst gemacht. Zuhause gebären darf nur, wer gesund ist, eine komplikationslose Schwangerschaft hatte und die 38. Schwangerschaftswoche erreicht hat. Die Hebamme macht die Vorsorgeuntersuchungen zuhause und begleitet die ganze Geburt. Darum ist eine Hausgeburt auch nicht mutiger als eine Spitalgeburt.

Der Bericht der ersten Hausgeburt 2013 ist hier zu lesen.

Die Geburt

Natürlich hat sich auch Kind Nr.3 Zeit gelassen. Ende Schwangerschaft ist die Ungeduld unerträglich... der Bauch zu dick, die Beine zu schwer, alles für die Geburt bereit, nur das Kind will einfach nicht kommen. Nach einem filmreifen Fehlstart ca. zwei Wochen vor Termin inklusive Kerzen, Geburtsmusik und Wehen veratmen nachts um drei, ging auch diesmal der Termin vorbei ohne Geburtsanzeichen. Die Herbstferien haben schon begonnen und auch der Mann hat seinen Vaterschaftsurlaub angetreten. Den ersten Ferientag verbrachten wir bei einem schönen Spaziergang im Wald und am Abend gingen wir Pizzaessen mit den Kindern. 

Am Abend darauf setzten dann eeendlich die Wehen ein. Es waren schon alle am schlafen, als es losging. Erst nach einer Stunde Wehen habe ich den Mann geweckt und wir sind aufgestanden. Kurz darauf kamen die Wehen schon so regelmässig, dass wir auch gleich die Hebamme angerufen haben. Als sie da war, setzten wir uns im Wohnzimmer bei Kerzenlicht zusammen und plauderten. Die Wehen kamen regelmässig, wurden aber nicht stärker. So ging das eine lange Zeit. 

Als ich den Hahn krähen hörte, wurde mir klar, dass es Morgen werden würde bis zur Geburt. Die Grossen waren noch oben am schlafen, denn wir haben beschlossen, dass wir einfach mal abwarten, wie sie reagieren werden wenn sie aufwachen.  Gut vorbereitet waren sie eigentlich, dank Bilderbüchern und dem Hörspiel des Aufklärungsklassikers „Peter, Ida & Minimum“. Es dämmerte bereits, als endlich die Fruchtblase platzte und die Wehen stärker wurden. Kurz darauf sind die Grossen aufgewacht. Sie sind neugierig und erfreut aber auch total unaufgeregt und entspannt im Wohnzimmer aufgetaucht. Um sie mussten wir uns keine Sorgen machen. Sie wechselten zwischen Küche und Wohnzimmer, wo ich inzwischen sehr intensive Wehen hatte, hin und her und schauten Bilderbüechli an, assistierten den Hebammen (inzwischen ist noch eine zweite Hebamme dazu gekommen) oder haben beobachtet und kommentiert. 

Die eigentliche Geburt wurde nochmals sehr streng. Die Grossen waren dabei und konnten vor Aufregung kaum stillsitzen und mussten vor Freude lachen. Ihre Freude war ansteckend und hat mich angespornt für die letzten Presswehen. "Es het Hoor!" "Ich gseh s Stupsnäsli!" - unter diesen Zurufen wurde der kleine Knopf mitten in die Familie hinein geboren. 


Willkommen! 

Den neuen Erdenbürger zusammen mit den grossen Geschwister willkommen heissen - ein unbeschreibliches Gefühl! Ich bin so froh, dass die Grossen dabei sein konnten. Die zweithäufigste Frage die mir gestellt wurde, war übrigens "was macht ihr mit den Kindern während der Geburt?"...
Nach der Geburt sind sie im Pischi zu den Grosseltern ins Nachbarhaus gerannt, um die frohe Neuigkeit zu überbringen. In der Küche wurde das Frühstück aufgetischt und während Knopf und ich uns im Wohnzimmer erholten, haben Kinder, Mann und Hebammen in der Küche gefrühstückt. Später wurde der Knopf gemessen und gewogen, gewickelt und angekleidet und ich konnte duschen und mich ebenfalls anziehen. Dann haben wir ein bisschen aufgeräumt und uns auf dem Sofa gemütlich eingerichtet. Draussen begann ein goldener Herbst.

Das Wochenbett

Anfangs kamen die Hebammen täglich. Sie schauten nach dem Knopf und nach mir und beantworteten alle Fragen zum Stillen, zur Entwicklung des Babys und gaben Tipps für den Alltag. Sie beseitigten alle Sörgeli und bestärkten mich als Mutter bei jedem Besuch. Der Knopf wurde regelmässig gewogen und gemessen und untersucht. Alles gut!

Auch bei diesen Besuchen durften natürlich die Geschwister mit dabei sein. Frau Pfeffer will jetzt auch Hebamme werden. 
Diese heilkundigen Frauen, die  medizinisches Fachwissen, Erfahrung und Spiritualität genau richtig mischen und anwenden, haben uns immer sehr beeindruckt. Ein Hoch auf die Hebammen! 



Kommentar schreiben

Kommentare: 0